in der Stadt Melle

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Das Grönegau-Museum bequem von zu Hause aus besuchen

Heimatverein Melle e.V. präsentiert virtuellen Rundgang durch die wichtigsten Ausstellungsräume des Kottens und des Speichers

Das Grönegau-Museum in Melle-Mitte ganz bequem von zu Hause aus besuchen – diese  Möglichkeit bietet ab sofort ein virtueller Rundgang, den Christian Budde im Auftrag des  Heimatvereins Melle e.V. realisierte. Unter dem Link https://heimatverein-melle.de/virtuellerrundgang-im-gronegau-museum macht dieses innovative Angebot die wichtigsten  Ausstellungsräume des Kottens und des Speichers einer breiten Öffentlichkeit zugänglich –  mit einem kurzen Abstecher in das Backhaus inklusive, in dem sich seit etlichen Jahren die  „Traumschmiede“ befindet.

Nicht zuletzt die Corona-Pandemie hat gezeigt, wie wichtig es ist, die Digitalisierung in allen  Lebensfeldern voranzutreiben. Im Museumsbereich gibt es noch viel Potential, wie unser neues  Angebot beispielhaft zeigt. Der virtuelle Rundgang ist eine gute und barrierearme Ergänzung des  Präsenzangebots vor Ort, denn er öffnet das Museum für alle Bürgerinnen und Bürger“, erklären  die Vorstandsmitglieder Heinz Garlich, Jürgen Krämer und Uwe Plaß, die das Vorhaben initiierten  und mit Christan Budde von der Budde 3D+Filmproduktion mit Sitz in Lohne einen kompetenten  Partner fanden.

Virtual Reality lautet das Zauberwort, mit dem der virtuelle Rundgang überschrieben ist“, erläutert Budde. Sie stehe für ein innovatives Erlebnis, das ungewohnte Nähe und maximale  Empathie erzeuge. Rund zwei Stunden lang fing der Profi mit seiner hochmodernen 360-Grad-Kamera Impressionen aus den Museumsgebäuden ein. Und war dabei herauskam, das kann sich im besten Wortsinn „sehen lassen“.


Mit einer Kamera, die sechs hochauflösende Objektive besitzt, erfasst Christian Budde auf dem Dachboden des Kottens ein 360-Grad-Panoramabild. Foto: Foto: Jürgen Krämer

Zur Verfahrensweise erklärt Christian Budde: „Mit sechs hochauflösenden Objektiven in einer  Kamera wird ein 360-Grad-Panoramabild erfasst – und diese sechs Einzelbilder werden in der  Nachbearbeitung zu einem Bild zusammengefügt.“ Das fertige Bild, so der Profi weiter, könne  dann am Computer, auf dem Handy oder auch mit der VR-Brille betrachtet werden.

„Besonders bei der Betrachtung mit der VR-Brille kann der Zuschauer immer wieder in die  Vergangenheit reisen. Somit ist diese Darstellung hervorragend als digitales Archiv geeignet“,  sagte Cristian Budde abschließend.

Da das Ensemble des Grönegau-Museums im Grönenbergpark befindet, bot es sich geradezu an, auch diverse Außenaufnahmen anzufertigen. Als besonders spektakulär erweisen sich dabei  Einspielungen aus der Luft, die Christian Budde bereits im Jahre 2019 unter Einsatz einer Video-Drohne aufnahm.

So freuen sich Heinz Garlich, Jürgen Krämer und Uwe Plaß darüber, dass mit dem neuen Projekt  nicht nur eine zukunftsgewandte Imagewerbung für das Grönegau-Museum betrieben wird: „Die  Betrachterinnen und Betrachter gewinnen zudem einen Eindruck davon, wie schön und attraktiv  sich der Grönenbergpark von höherer Warte aus präsentiert – dank wunderbarer Luftbilder, die  Christian Budde mit einer Drohne aufnahm.“

Das erste Exemplar für die Landrätin

Anna Kebschull nahm das Heimatjahrbuch 2022 vor dem Kreishaus am Schölerberg in Osnabrück entgegen


Präsentation des Heimatjahrbuches 2022 vor dem Kreishaus in Osnabrück mit (von links) Burkhard Fromme (Leiter des Kulturbüros beim Landkreis), Ulrich Wienke (HBOL), Uwe Plaß (Redaktionsteam), Jürgen-Eberhard Niewedde (HBOL), Manfred Kalmlage (KHBB), Landrätin Anna Kebschull, Dr. Rainer Drewes (Redaktionsteam), Jürgen Krämer (HBOL), Johannes Brand (Redaktionsteam) und Franz Buitmann (KHBB). Foto: Hermann Pentermann

Die kommunale Gebietsreform in Niedersachsen, die im Jahre 1972 zur Bildung des Großkreises Osnabrück führte, bildet das Schwerpunktthema des Heimatjahrbuchs Osnabrücker Land 2022. Anlass genug für die Vorstände des Heimatbundes Osnabrücker Land e.V. (HBOL) und des Kreisheimatbundes Bersenbrück e.V. (KHBB), zusammen mit Mitgliedern der Jahrbuch-Redaktion das symbolische erste Exemplar des Sammelbandes vor dem Kreishaus am Schölerberg in Osnabrück an Landrätin Anna Kebschull zu überreichen.

Seit 1965 beherrschte das Thema „Gebiets- und Verwaltungsreform“ die kommunalpolitische Diskussion in Niedersachsen. Für die Älteren unter den Bürgerinnen und Bürgern des Osnabrücker Landes sind die damaligen Auseinandersetzungen noch lebendig, so als wäre es erst kürzlich gewesen. Und doch ist schon ein „goldenes“ Jubiläum zu feiern.

Mit dem Kernstück der Reform, dem Osnabrück-Gesetz von 1972, fanden die Diskussionen und Auseinandersetzungen vor nunmehr 50 Jahren weitgehend ihr Ende. Dieses Jubiläum ist der Anlass für das Schwerpunktthema im neuen Heimatjahrbuch Osnabrücker Land 2022, für dessen Redaktion Johannes Brand, Dr. Rainer Drewes, Uwe Plaß und Tim Wagemester verantwortlich zeichnen. In drei Grundsatzbeiträgen werden die Gebietsreform allgemein, die Bildung des Großkreises Osnabrück und die Gemeindebildungen im Osnabrücker Land dargestellt. Am Beispiel der drei Kommunen Georgsmarienhütte, Belm und Melle wird aufgezeigt, wie unterschiedlich von Ort zu Ort die Probleme waren und die Diskussion ablief. Eher randliche Themen, aber besonders interessant, sind die Ausgliederung von Vörden in den Kreis Vechta oder das Bemühen der Gemeinde Büscherheide, nach Nordrhein-Westfalen umgegliedert zu werden.

Der weitere Inhalt des Buches lässt sich hier nur ansatzweise skizzieren. Die geschichtlichen Themen reichen von der Stiftungsurkunde des Klosters Börstel aus dem Jahr 1250 über die Kirchspiele im Osnabrücker Land zur Schwedenzeit im Dreißigjährigen Krieg, die Einstellung der Osnabrücker zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs bis hin zur Friedensbewegung in Georgsmarienhütte Anfang der 1980er-Jahre.

Es werden Persönlichkeiten vorgestellt wie der Markkötter, Untervogt und Auktionator Schopmeyer aus Hagen, Adam Löhr aus Wersche, der vor dem Ersten Weltkrieg seinen Militärdienst bei den Ulanen ableistete und anschließend Oberweichenwärter bei der Bahn wurde, oder die Familie Zinn, die seit 100 Jahren ein dörfliches Kaufhaus in Berge betreibt. Bisher war man der Meinung, dass der berühmte Kinderbuchautor James Krüss trotz eines Volksschullehrerstudiums niemals in der Schule unterrichtet habe. Nun wissen wir, dass er tatsächlich einige Monate im Jahr 1946 als Lehrer tätig war, und zwar in Bramsche. Die Vielfalt der Themen im Heimatjahrbuch Osnabrücker Land 2022 ist so bunt wie das Osnabrücker Land selbst. Und bunt ist das Buch auch durch die annähernd 200 Abbildungen.

Als besondere kleine Kostbarkeiten sind in das Buch neben den gewohnten plattdeutschen Texten auch drei hochdeutsche Gedichte eingestreut: Jürgen Schwarz und Wilfried Pabst haben sich Gedanken zum spirituellen Leben im Kloster „Börstel heute“ gemacht, Jürgen Schwarz hat darüber hinaus ein Sonett geschrieben, zu dem er durch ein Bild von einer sterbenden Birke auf einem riesigen Parkplatz inspiriert wurde, und von James Krüss gibt es ein bisher unveröffentlichtes Gedicht, in dem er von einem Fahrradausflug von Bramsche zum Hof Niewedde-Fisse in Kalkriese erzählt. Das Heimat-Jahrbuch Osnabrücker Land 2022 enthält etwa 50 Beiträge auf 352 Seiten und kostet wieder 14,90 Euro. Es ist erhältlich im Buchhandel oder direkt beim Heimatbund Osnabrücker Land e.V., Klosterpforte, Königstraße 1, 49124 Georgsmarienhütte-Kloster Oesede, E-Mail info@hbol.de, Telefon 05401/849266, Internet www.hbol.de, sowie beim Kreisheimatbund Bersenbrück, „Altes Rathaus“ – Bücherstube, Hasestraße 5, 49593 Bersenbrück, Internet www.khb-bsb.de

Interessanter Ausflug in die Zeit des Wirtschaftswunders

Heimatverein Melle e.V. veröffentlicht weiteren Bildkalender „Historische Ansichten aus Melle“ – Vorstand überreicht das erste Exemplar an Ortsbürgermeisterin Gerda Hövel

Zum vierten Mal in Folge hat der Heimatverein Melle e.V. in Kooperation mit der Kalender-Manufaktur in Verden an der Aller einen Bildkalender herausgegeben. „Historische Ansichten aus Melle“ lautet der Titel des Begleiters durch das Jahr 2022, der einen interessanten Ausflug in die Zeit des sogenannten „Wirtschaftswunders“ ermöglicht.

Das erste druckfrisch erschienene Exemplar übergaben jetzt Heimatvereinsvorsitzender Uwe Plaß und dessen Stellvertreter Jürgen Krämer an Ortsbürgermeisterin Gerda Hövel. Die im Kalender veröffentlichten Fotos vermitteln den Betrachtern einen Eindruck davon, wie sich die Kleinstadt Melle und ihre Umgebung in den 1950-er und 1960-er Jahren präsentierte. Besonderer Blickfang auf der Titelseite: Eine aus dem Jahre 1959 stammende Luftbildaufnahme, auf der das alte Freibad, der Carl-Starcke-Platz, der Grönenbergpark und das damals im Bau befindliche Hallenbad zu sehen sind.

 


Offizielle Übergabe des druckfrisch erschienenen Bildkalenders „Historische Ansichten aus Melle“ im Grönenbergpark mit (von links) Uwe Plaß, Gerda Hövel und Jürgen Krämer. Foto: Gabriele Niehaus

Nachdem die drei ersten Ausgaben der Kalender „Historisches Ansichten aus Melle“ für die Jahre 2019, 2020 und 2021 auf eine äußerst positive Resonanz gestoßen waren, hatte der Vorstand des Heimatvereins den Beschluss gefasst, auch für das Jahr 2022 ein solches Druckwerk herauszubringen. Um den Kalender visuell mit Leben zu erfüllen, begaben sich Uwe Plaß und Jürgen Krämer im Juli dieses Jahres im Stadtarchiv auf die Suche nach geeigneten Motiven. Aus Hunderten von Fotografien wählten die beiden Heimatkenner schließlich 13 Aufnahmen aus, die jetzt im Begleiter durch das Jahr 2022 veröffentlicht wurden.

Der Begleiter durch das Jahr ermöglicht eine Rückblende in die „gute alte Zeit“. Zu sehen sind dabei folgende Motive: Januar: „Steg am Ententeich im Grönegaupark“; Februar: „Der Kiosk an der Mühlenstraße neben der Umflut“; „März: „Die Kreuzung Engelgarten/Riemsloher Straße“; April: „Blick vom Markt in die Haferstraße“; Mai: „Die untere Mühlenstraße während der Rotdornblüte“; Juni: „Starcke-Parkplatz am Stadtgraben“; Juli: „Schwäne auf dem Ententeich im Grönenbergpark“; August: „Blick durch den Torbogen der Meller Möbelfabrik an der Bismarckstraße“; September: „Die Grönenberger Straße Richtung stadtauswärts anlässlich eines Turnfestes“; Oktober: „Blick von der Gesmolder Straße auf das Amtsgericht“; November: „Die Diedrichsburg in den Meller Bergen“; Dezember: „Sonnenfinsternis am 15. Februar 1961, aufgenommen vom Dachboden der Grönenbergschule, mit dem Glockenspiel auf dem Dach des historischen Rathauses sowie die Türme der beiden Stadtkirchen St. Petri und St. Matthäus“.

Der im DIN A-3-Format erschienene Bildkalender ist ab sofort im Fachgeschäft Sutmöller „Bücher & mehr“, Plettenberger Straße 1 – 3, 49324 Melle-Mitte, im Fachgeschäft Hugo Kretschmann Tabakwaren, Markt 5,49324 Melle-Mitte, und im Stadtarchiv, Wallgarten 1, 49324 Melle-Mitte, erhältlich. Er kostet pro Exemplar 19 Euro

„Die Diedrichsburg – Von der Keltenzeit zur Burgenromantik“

„Tag des offenen Denkmals“ mit Vortrag von Bodo Zehm in den Meller Bergen Neue Thementafel wurde offiziell vorgestellt


Die Thementafel „Kulturlandschaft Melle Berge: Die Diedrichsburg – Von der Keltenzeit zur Burgenromantik“ steht – zur Freude von Iris Schriever, Philipp Freiherr von Vincke-Graf von Perponcher, Bodo Zehm, Uwe Plaß und Jürgen Krämer (von links). Foto: Heimatverein Melle / Gabriele Niehaus

Die zentrale Veranstaltung der Stadt Melle zum „Tag des offenen Denkmals“ fand jetzt bei strahlendem Sonnenschein und angenehmen Temperaturen an der Diedrichsburg in den Meller Bergen statt – und zwar unter dem Leitgedanken „Schein & Sein – in Geschichte, Architektur und Denkmalpflege“. Im Mittelpunkt dieser Zusammenkunft stand ein viel beachteter Vortrag des ehemaligen Archäologen für die Stadt und den Landkreis Osnabrück, Bodo Zehm, zum Thema „Die Diedrichsburg – ein romantischer Sehnsuchtsort des 19. Jahrhunderts“. Außerdem gab es ein kleines, aber feines Rahmenprogramm, das bei den Besuchern ebenfalls auf große Resonanz stieß.

Im Vorfeld des Aktionstages hatten der Natur- und Geopark TERRA.vita, der Heimatverein Melle und die Stadt Melle in Abstimmung mit der Grundstückeigentümerfamilie Freiherr von Vincke-Graf von Perponcher eine große Thementafel gestalten lassen, wenige Tage vor der Veranstaltung einen Steinwurf von der Burg entfernt platziert worden war. „Kulturlandschaft Melle Berge: Die Diedrichsburg – Von der Keltenzeit zur Burgenromantik“ lautet der Titel dieses übersichtlich gestalteten Informationspunktes, der dem Betrachter umfassende Informationen zu diesem Bauwerk und seiner Geschichte vermittelt. Während eines Ortstermins nahmen Philipp Freiherr von Vincke-Graf von Perponcher als Vertreter der Grundstückseigentümerfamilie, Iris Schriever vom städtischen Kultur- und Tourismusbüro sowie Jürgen Krämer, Uwe Plaß und Bodo Zehm als Vorstandsmitglieder des Heimatvereins Melle die Tafel bei herrlichem Spätsommerwetter in Augenschein. Alle Projektbeteiligten gaben der Hoffnung Ausdruck, dass dieses neue Informationsangebot unter freiem Himmel in der Öffentlichkeit rege Beachtung finden möge.

Beim Blick auf die Thementafel wird eines deutlich: Keine andere Burg des Osnabrücker Landes hat die Phantasie der Besucher so angeregt wie die Diedrichsburg in den Meller Bergen. Hier, auf einem Bergplateau in knapp 220 Meter Höhe, steht ein mächtiger, 26 m hoher quadratischer Turm, flankiert von zwei hochgeschossigen Seitenflügeln. Allein die baulichen Dimensionen, das von Zinnen gekrönte Obergeschoss des Turms und die landschaftsbeherrschende Alleinlage sind so eindrucksvoll, dass bei den Besuchern kaum Zweifel an der besonderen historischen Bedeutsamkeit dieser Anlage aufkommen. Daher gibt es heute eine Vielzahl an spektakulär anmutenden Deutungsversuchen über den Ursprung dieses Bauwerks, angefangen bei einem befestigten römischen Lagerplatz aus der Zeit der Varusschlacht bis hin zu einer frühmittelalterlichen „Volksburg“ aus der Zeit der Sachsenkriege zwischen den Heerführern Wittekind und Karl dem Großen.

Doch die historische Wirklichkeit sieht völlig anders aus: Die Diedrichsburg entstand zwischen 1844 und 1860 und war niemals als militärischer Zweckbau gedacht, sondern sollte als „Herrensitz“ das Ideal einer mittelalterlichen Ritterburg im Geist der Burgenromantik des 19. Jahrhunderts verkörpern. Initiator und Bauherr war Ernst Freiherr von Vincke vom benachbarten Rittergut Ostenwalde. Möglicherweise plante er eine Nutzung des Gebäudes zu Wohnzwecken, doch er verstarb bereits ein Jahr nach der Grundsteinlegung im Jahr 1844. Nach Fertigstellung im Jahr 1860 blieb die Anlage unbewohnt, bis sich hier im Jahr 1954 erstmals eine Gastwirtsfamilie niederließ und die zahlreichen Ausflügler und Wanderer zur Einkehr einlud. Seitdem gehört die Diedrichsburg zu den bekanntesten Ausflugszielen des Osnabrücker Landes.

Die Mehrdeutigkeit der Interpretation des Burgplateaus als uralte, weiträumige Befestigungsanlage bekam 2008 eine entscheidende Wendung, als Archäologen an verschiedenen Stellen Hinweise auf ehemalige Vorratsgruben entdeckten und datierbares Fundmaterial bergen konnten. Anhand der Datierung in den Zeitraum 291 +/- 60 Jahre v. Chr. Geb. kann der Ursprung der Diedrichsburg nun sicher in die vorrömische Eisenzeit gelegt werden, als die keltische Kultur aus dem süddeutschen Raum nach Norden vordrang und an verschiedenen Stellen befestigte Zentren, sogenannte Zentralorte, errichtete. Mit dieser Einordnung wurde das ohnehin schon facettenreiche und attraktive Erscheinungsbild der Diedrichsburg als überregional bedeutendes Denkmal und Ausflugsziel um eine weitere spannende Komponente bereichert.

Ehemaliger Archäologe für die Stadt und den Landkreis Osnabrück neu im Vorstand

Heimatverein Melle wählt Bodo Zehm einstimmig in das Leitungsgremium


Nach der Wahl im Theater Melle: (von links) der neue Beisitzer Bodo Zehm, der 2. stellvertretende Vorsitzende Christian Hoffmeister, Vorsitzender Uwe Plaß, der 1. stellvertretende Vorsitzende Jürgen Krämer und Schriftführer Günther Plaß. Foto: Peter Schatte

Die Corona-Krise hat dazu geführt, dass der Heimatverein weder im März 2020 noch im Frühjahr dieses Jahres seine traditionelle Mitgliederversammlung veranstalten konnte. Jetzt wurde die Zusammenkunft unter den geltenden Hygieneauflagen nachgeholt – allerdings nicht in der Alten Posthalterei als bewährtem Veranstaltungsort, sondern im Theater Melle.

„Die Pandemie hat unser Vereinsleben mehr als eineinhalb Jahre stark eingeschränkt“, erklärte der Vorsitzende Uwe Plaß zum Auftakt der Zusammenkunft, zu der sich lediglich 17 Interessierte eingefunden hatten. Angesichts sinkender Inzidenzzahlen und einer kontinuierlich ansteigenden Impfquote sei es inzwischen erfreulicherweise wieder möglich, öffentliche Veranstaltungen wie die Mitgliederversammlung durchzuführen. Unter dem Eindruck der Corona-Krise habe der Heimatverein bewusst das Theater Melle als Veranstaltungsort auserkoren, um den Heimatfreunden „ein Tagen auf Abstand“ zu ermöglichen.

Da die Mitgliederversammlungen sowohl im März 2020 als auch im März 2021 coronabedingt ausgefallen waren, gliederte der Redner seinen Rechenschaftsbericht in zwei Teile. In seinem Rückblick auf das Jahr 2019 erinnerte Plaß unter anderem daran, dass der Heimatverein im Berichtszeitraum zahlreiche Aktivitäten entfaltet habe – von den Monatlich stattfindenden Vortragsabenden in der Alten Posthalterei über den Frühjahrsputz im Grönegaumuseum bis hin zur Präsentation des Vereins im Rahmen einer Virtrinen-Ausstellung in den Räumlichkeiten der Kreisverwaltung am Schölerberg in Osnabrück.

„Es verstand sich von selbst, dass wir auch die 850-Jahr-Feier der Stadt Melle mit verschiedenen Aktivitäten begleiteten“, stellte der Redner fest. Als Beispiele hierfür nannte er unter anderem die Digitalisierung des Films, den Tom Winkler im Jahre 1969 anlässlich des 800-jährigen Stadtjubiläums gedreht hatte, und die Beteiligung an der Fotoausstellung, die die Heimatvereine aus dem Grönegau in der Schalterhalle der Kreissparkasse Melle ausrichteten. Weiterer Höhepunkt im Jahresprogramm 2019: Die in Zusammenarbeit mit Dr. Fritz-Gerd Mittelstädt erfolgte Herausgabe des vierten Sonderbandes des Meller Jahrbuches „Der Grönegau“ mit historischen Beiträgen, die Uwe Plaß für das „Meller Kreisblatt“ verfasst hatte. Darüber hinaus brachte der Heimatverein in Kooperation mit der Kalender-Manufaktur in Verden an der Aller den Bildkalender „Historische Ansichten aus Melle“ heraus.

Trotz der Corona-Krise gelang es den Heimatfreunden auch im Jahre 2020 verschiedene Aktivitäten zu entfalten. Zwar war es angesichts der Pandemie ab März nicht mehr möglich, die traditionellen Vortragsabende durchzuführen. Dennoch legten die Frauen und Männer um Uwe Plaß die Hände nicht in den Schoß, sondern realisierten, das, was unter den widrigen Rahmenbedingungen verwirklicht werden konnte: Zum Beispiel die Überarbeitung der Homepage – ein Projekt das Heinz Garlich eigenverantwortlich realisierte. Ferner legte der Verein das Grönenberger Heimatheft über den großen Standbrand von Melle anno 1720 neu auf und veröffentlichte in Kooperation mit dem Autor Thomas Grove das Buch „Nationalsozialismus in Melle vor 1933“. Weiteres Gemeinschaftsprojekt: Im Verbund mit den Briefmarkenfreunden Grönegau und der Deutschen Post AG gab der Heimatverein anlässlich des 300-jährigen Stadtbrand-Jubiläums einen Schmuckbriefumschlag und einen Sonderstempel heraus, die in der Philatelisten-Szene bundesweit Beachtung fanden. Nicht unerwähnt bleiben darf an dieser Stelle, dass die Heimatfreunde auch im Jahre 2020 einen Bildkalender unter dem Titel „Historische Ansichten aus Melle“ herausbrachte. „Hier gab es erneut die bewährte Kooperation mit der Kalender-Manufaktur in Verden an der Aller“, resümierte Uwe Plaß. Gemeinsam mit der Märchenerzählerin Christa Möller und der Filmerin Nina Schengber startete der Heimatverein ein weiteres Projekt, das sich bis in den Sommer 2021 erstreckte: In den Räumen des Grönegau-Museums wurden die rund 60 Sagen des Grönegaues, die im ersten Grönenberger Heimatheft aus dem Jahre 1955 veröffentlicht worden waren, als Videos aufgezeichnet. „Diese Beiträge wurden nach und nach auf unserer Homepage veröffentlicht und erfreuen sich bei den Besuchern unseres Internet-Auftritts großer Beliebtheit, wie es die Klick-Zahlen eindrucksvoll beweisen“, so der Vorsitzende.

In Vertretung des an der Teilnahme verhinderten Schatzmeisters Heinz Garlich legte Uwe Plaß im weiteren Verlauf der Versammlung die Kassenberichte für die Jahre 2019 und 2020 vor. Die Entlastung des Vorstandes erfolgte einstimmig.

Dann trafen Mitglieder eine Personalentscheidung: Einstimmig wählten sie den ehemaligen Archäologen für die Stadt und den Landkreis Osnabrück, Bodo Zehm aus Hustädte, zum Nachfolger des im Spätsommer 2019 verstorbenen Beisitzers, Stadtdirektor a.D. Harald Eberhardt. Das frischgebackene Vorstandsmitglied sicherte den Anwesenden zu, sich mit ganzer Kraft für die Belange des Heimatvereins Melle einzusetzen. Im Anschluss an die Regularien hielt Uwe Plaß einen interessanten Vortrag zum Thema „Der Stadtbrand von 1720“ – und erhielt dafür reichlich Beifall

Die Sage von der Hasegabelung

Unsere Sage erzählt, wie die Bifurkation in Melle-Gesmold entstanden ist.

Es lebte vorzeiten ein junger Ritter bei seinem Vater auf der Holter Burg. Einst trabte er hinab durch den Buchenwald und jagte den ganzen Tag im Hasetal, bis er durstig war und nicht mehr weiter konnte.

Aber nahebei rauschte die Krusemühle. Da kehrte er ein und grüßte den Müller: „Meister, gebt mir zu trinken; denn ich komme um vor Durst.“ Der Müller sprach darauf: „Geht in die Küche zu meiner Tochter, der Else.“

Die Else war ein Mädchen so frisch wie eine Blume und so eifrig wie eine Biene im Sonnenschein. Sie brachte sogleich einen Napf mit kalter Milch herbei. Dem müden Ritter aber wurden die Augen wieder hell, doch wusste er lange nicht, warum.

Als er getrunken hatte, ging ihm das Herz auf. Er zog einen Ring hervor und steckte ihn der schönen Else an den Finger. „Willst du meine liebe Braut werden“, sagte er, ,,dann will ich dir treu sein wie das Gold an deiner Hand. „Da kamen der schönen Müllerstochter die Tränen, und beide waren sich zugetan und mussten immer aneinander denken.

Hinter den Felsenmauern in der Holter Burg saß der alte Ritter grimmig auf der Eichenbank. Er sprach: „Niemals werde ich es dulden, dass Else auf die Burg kommt; denn sie ist nur eine Müllerin.“

Festen Sinnes antwortete darauf der junge Ritter: „Was ich Else versprochen habe, will ich getreulich halten auf immerdar.“

Da sprang der Alte wild auf und stürmte ins Tal. Er konnte aber die schöne Else lange nicht finden. Endlich traf er sie am Haseufer bei den Kühen. Erschrocken sah sie den wilden Mann zwischen den Büschen: „Gib mir den Ring zurück, der an deinem Finger blinkt! In die Hase werd‘ ich dich stoßen, wenn du nicht ablässt von meinem Sohn!“

Fester noch hielt Else den Ring an der Hand und sprach: „Die Treue, die ich Herwarth versprochen habe, will ich ihm ewig nicht brechen.“ Da stieß ihr der Unhold den Dolch ins Herz und warf das liebliche Mädchen hinab in die Flut. Das Wasser brauste vor Entrüstung auf, sprang über das Ufer, und seitdem läuft es aus der Hase durch den Grönegau der Weser zu, und es wird Else genannt.

H. Rahe

Das Rüenstück

Mein Jugendfreund -August Kudrup – so erzählte Franz Holtgrave – war der Sohn unsers Heuerlings. Wenn er auf einem der Graswege in der Nähe des Hofes die beiden Kühe hütete, die seine Eltern im Stall hatten, dann trieb ich mich spielend neben ihm her. Er meinte immer noch, dass die Welt gleich hinter dem Ohsener Berg aufhöre. Nein, in diesem Glauben konnte ich ihn nicht belassen. Wenn er weder Zeit noch Lust zum Lesen hatte, dann sollte er von mir erfahren, wie weit die Welt war und was sich früher schon alles zugetragen hatte!

Wusste er etwas von Wittekind? Meine Mutter hatte uns schon einmal von ihm erzählt, doch da hatte August nur halb zugehört. Als ich nun begann, hörte er zwar zu, brachte aber meine ganze Wissenschaft sofort ins Wanken mit der Frage: „Wieviel Pferde hatte er?“

Ich gestand ihm ohne Bedenken zwanzig zu. Bevor ich aber wieder anheben konnte, fragte er unerbittlich weiter nach den Kühen und Schweinen. Sein Sinn war auf das Praktische gerichtet, und weil ich mich bei den Schweinen nicht schnell genug für eine Riesenzahl entscheiden konnte, tat er Wittekind mit der Bemerkung ab: „Ist ja alles gelogen!“ Ganz aufgebracht entgegnete ich ihm: „So, dann ist das auch wohl nicht wahr mit unserm Land hier?“

„Mit welchem Lande?“

„Nun, wie heißt das letzte Stück hier am Wege, da unten vor der Wiese?“

„Das ist doch das Rüenstück!“

„Und warum heißt es so?“

Davon hatte August Kudrup allerdings keine Ahnung, und ich konnte mich wieder in die Brust werfen, denn ich wusste es.

Das war bei der Beerdigung Wittekinds gewesen. Der Herzog hatte vor seinem Tode ausgemacht, ein jeder, der im Leichenzug zu sehen sei, solle ein Stück von dem Stammesland als Eigentum haben. Der Bauer vom Holthof war auch mit zur Beerdigung gegangen, und der Hund, der ihn sonst immer auf der Jagd begleitete, war hinter ihm hergelaufen und in dem langen Leichenzuge bei ihm geblieben. Deshalb hatte der Bauer ein zweites Stück Land bekommen. Und das war das Rüenstück, vor das August inzwischen mit seinen grasenden Kühen gelangt war.

“Nun weißt du auch, warum das Land hier auf der anderen Seite das Königsstück heißt“, erklärte ich ihm triumphierend.

„Das ist wohl das Stück, was der Bauer selbst bekommen hat“, entgegnete er und fragte mich, ob das auch in den Büchern stehe.

Nein, in Büchern war das nicht zu lesen. Aber wahr war es doch, und nun schien die Geschichte auch August Kudrup durchaus glaubhaft.

Dieser Wittekind, das müsse doch ein rechter Kerl gewesen sein, meinte er, weil der nach seinem Tode noch Land verteilen ließ. Heute täte das so leicht kein Bauer mehr.

W. Fredemann

Das Rüenstück

Herzog Wittekind hatte vor seinem Tod ausgemacht, ein jeder der in seinem Leichenzug zu sehen sei, soll ein Stück von dem Stammesland als Eigentum haben.

Lassen Sie sich von der Verteilung des Landes überraschen.

Heimatverein Melle e V. - Das Rüenstück

(C) 2020-2021 Heimatverein Melle e.V.

Der Brunnen auf der Ravensburg

Die Ravensburg im Teutoburger Wald hat einen tiefen, tiefen Brunnen, dessen Eimer durch ein großes Tretrad aufgezogen und niedergelassen werden. Ein mühevolles Werk war es, den Schacht des Brunnens durch das Felsgestein zu graben. Der Sage nach haben das zwei Ritter getan, die von dem Grafen von Ravensberg nach langer, blutiger Fehde besiegt worden waren.

In dem dunklen, schaurigen Burgverließ hielt er sie gefangen. Schon hatten sie alle Hoffnung aufgegeben, wieder befreit zu werden, da meldete ihnen der Kerkermeister eines Tages, dass er ihnen kein Wasser mehr zum Trunke reichen könne. Die Quellen an den Abhängen des Berges seien in der Hitze des Sommers versiegt, die Brunnen in der Umgebung ausgetrocknet, und die gräfliche Familie sei selber durch den Wassermangel in große Not gebracht.

Sofort ließen die Gefangenen dem Grafen melden, dass sie bereit seien, mit eigener Hand einen Brunnen auf dem Burghof zu graben, so tief, dass es ihm niemals an Wasser fehlen werde, wenn er ihnen nach vollbrachtem Werke die Freiheit schenke. Der Burgherr willigte ein. Freudig begannen die beiden das saure Werk. Von der Frühe des Morgens bis zum Scheine des Abendsterns, in Frost und Hitze arbeiteten sie sich durch das harte Gestein. Wenn der Schweiß von der Stirn träufelte und die Hände lasch werden wollten, – so hielt sie die Hoffnung aufrecht, und sie verzagten nicht.

Jahre vergingen. Tiefer und tiefer wurde der Brunnenschacht; noch aber zeigte sich von dem Felsenquell keine Spur. Da, an einem lieblichen Frühlingsmorgen wurden sie noch einmal hinabgelassen in den dunklen Schlund. Gewaltige Hammerschläge dröhnten aus der Tiefe, ein lautes Freudengeschrei folgte nach. Das klarste Wasser sprudelte aus dem Felsen hervor und begann den Brunnen zu füllen. Schnell wurden die Ritter wieder emporgezogen. Die Sonne lachte ihnen freundlich entgegen. Im schönsten Frühlingsglanz breitete sich die Welt vor ihren Blicken aus. Die Bande, die immer noch ihre Füße gefesselt hielten, wurden ihnen gelöst. Mit dem Rufe: „Freiheit! Freiheit!“ stürzten sie einander in die Arme und – sanken leblos zu Boden. Das Übermaß der Freude hatte sie getötet.

 Nacherzählt von E. Pohlmann

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