in der Stadt Melle

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Sagen des Grönegaus als Text

Die Sage von der Auburg

 In der Bauerschaft Peingdorf liegen zwischen der Hase- und der Aubrücke nahe der Straße von Wellingholzhausen nach Borgloh die Ruinen der Auburg. Man erkennt ein einfaches Wohnhaus, die Reste des alten Burgtores und Spuren der früheren Außengäben. Sie lassen ahnen, welchen bedeutenden Umfang diese Wasserburg vormals gehabt hat. Die Geschichte weiß wenig von ihr zu erzählen; die Sage aber berichtet über sie in den lebhaftesten Farben:

Im 13. Jahrhundert saß auf der Auburg ein mächtiges Rittergeschlecht. Es war reich an Land und Leuten. Der Burgherr verbrachte sein Leben mit prunkvollen Festen, mit ausgelassenen Gelagen und mit lustigen Jagden in der waldreichen Berggegend. Immer wieder bewirtete er eine große Zahl von Gästen in seinem Hause.

Weil er aber von rohem und prahlerischem Wesen war, geriet er mit seinen adeligen Nachbarn oft in Streit. Aus den blutigen Fehden ging er fast immer als Sieger hervor.

Das schwelgerische Leben und die andauernden Kämpfe zehrten die Reichtümer des Ritters bald auf. Auch die hohen Abgaben, die er von den hörigen Bauern erpresste, reichten nicht aus, um die Verarmung des Geschlechtes abzuwenden. Da wurde der Auburger ein Raubritter. Er machte die ganze Umgegend bis Münster, Bielefeld, Herford, Osnabrück und Bremen unsicher.

Einst kehrte er im Märzmonate von einem Raubzuge heim, den er bis vor die Tore Münsters ausgedehnt hatte. Reiche Beute war ihm in die Hände gefallen. Auf der Auburg veranstaltete er nun mit seinen Kumpanen ein wüstes Gelage. Da trat ein Knappe in den Saal. Er teilte dem Auburger mit, der Ritter Rembert von Hoyel sei mit wenigen Mannen auf dem Grönenberg bei Melle eingekehrt. Er wolle am andern Morgen nach Iburg weiterziehen.

Zwischen Rembert und dem Auburger bestand eine alte Feindschaft. Beide hatten sich in der Jugend um die schöne Adela von Hege beworben. Diese hatte den edlen Rembert zum Gemahl erwählt. Er war freilich nur ein Dienstmann, zeichnete sich aber durch einen ritterlich frommen Sinn aus und war überdies ein Meister im Gesang und im Saitenspiel. Er verachtete das Räuberleben vieler Ritter der damaligen Zeit und half den Armen und Unterdrückten, wo er nur konnte.

Der Auburger sah ihn seitdem als seinen Widersacher an und trachtete ihm beständig nach dem Leben. Rembert verhielt sich klug und hatte bisher alle Angriffe mit Tapferkeit abgeschlagen. Als er jetzt in der Morgenfrühe vom Grönenberg nach Iburg zog und durch den Ausberger Pass dem Königsbach zuritt, erscholl plötzlich hinter und vor ihm Kampfgeschrei. Der Auburger griff ihn mit großer Übermacht an. Tapfer wehrten sich die Überfallenen, jedoch der Feinde Zahl war zu groß. Rembert geriet mit dreien seiner Söhne – alle mit blutigen Wunden – in Gefangenschaft, nur der jüngste entkam mit seinem Knappen.

Der Auburger zog mit den Gefangenen nach seinem Raubsitz. Hier ließ er die drei verwundeten Söhne am Tore aufhängen und dann dem unglücklichen Vater mit einem Stahl die Augen blenden. Einen furchtbaren Fluch sprach der Blinde über den Auburger aus, bevor er in der Tiefe des unheimlichen Kerkers verschwand. Schon bald sollte das Blut seiner hingemordeten Söhne gerächt werden.

Graf Simon von der Lippe war nämlich der mächtige Lehnsherr Remberts. Als er und der Bischof von Osnabrück Kunde von der letzten Schandtat des Auburgers erhielten, sandten sie eine große Zahl Reisige aus, um den Straßenräuber zu züchtigen. Der hervorragendste Held unter ihnen war Alhard von Vincke, der Droste des Grönegaus.

Die Auburg wurde belagert. Man war entschlossen, nicht eher zu weichen, bis sie erobert und der Raubritter unschädlich gemacht war. Dieser gab sich nicht verloren und verlachte die Belagerer. Durch die letzten Beutezüge hatte er nämlich die Burg reichlich mit Vorräten versorgt. Überdies konnte er sie durch einen unterirdischen Gang jederzeit mit neuen Nahrungsmitteln füllen. So sehr die Reisigen auch nach dem Gang suchten, sie fanden ihn nicht, und einen ganzen Monat schon hatte die Belagerung gedauert. Da kam die Karwoche heran. Der Gottesfrieden wurde ausgerufen, und die Waffen mussten ruhen.

Am Karfreitag verließ Dirk Lüning aus Peingdorf den ärmlichen Hof seines Vaters. Er begab sich auf Alfermanns Heide, wo damals noch ein Sumpf war, um Kiebitzeier zu suchen. Da hörte er Waffengetöse auf sich zukommen. Erschreckt verbarg sich Dirk hinter einen dichten Busch. Er traute kaum seinen Augen. Nicht weit von ihm öffnete sich die Erde. Eine mit Moos bewachsene Steinplatte schob sich zur Seite, und ein unterirdischer Gang wurde sichtbar. Da, ein bewaffneter Mann stieg heraus, und eine ganze Reihe Kriegsleute folgte. Sie kamen aus der Auburg und wollten über die ahnungslosen Belagerer herfallen, die wegen des Gottesfriedens die Waffen abgelegt hatten.

Dirk eilte zu Alhard von Vincke. Kaum hatte dieser Zeit, seine Streiter zum Kampfe zu rufen, als die Auburger schon heranstürmten. Die Überfallenen entbrannten in Wut; denn nicht einmal der Gottesfrieden war den Auburgern heilig gewesen. Laut hallte das Kampfgetöse durch den Wald, der Überfall wurde abgeschlagen, und die Erstürmung der Raubritterburg konnte beginnen. Die Bauern eilten in großen Scharen herbei, um bei den Vorbereitungen zu helfen. Der Angriff wurde auf den Osterdienstag festgesetzt.

Mit Tagesanbruch entspann sich um die Auburg ein furchtbarer Kampf. Dirk Lüning führte den Ritter Todrank von Kilver mit mehreren tapferen Genossen durch den geheimen Gang in die Burg. Wahres Entsetzen fasste die Überraschten, sie fielen unter den Streichen Todranks und seiner Leute. Auch acht Söhne des Burgherrn deckten den Kampfplatz. Eine stürzende Mauer erschlug die Herrin und ihre beiden Töchter. Vergebens suchte man in den Winkeln und Verstecken des Raubnestes den Unhold, der den Frieden des Landes gebrochen hatte. Er allein war entkommen. Seine Burg aber ging in Flammen auf, die Ländereien wurden geteilt. Dirk Lüning war der Held des Tages, er bekam Ostmeiers Hof zur Belohnung.

Der blinde Rembert wurde im Triumphe aus dem Kerker befreit. Still lebte er mit seiner Gemahlin Adela und seinem geretteten Sohne auf dem Gute Warmenau. Nur den Bischof von Osnabrück besuchte er alle Jahre in Iburg auf einige Zeit.

Zwei Jahre nach der Zerstörung der Auburg brachte ein Mönch aus dem Kloster Marienfeld zum Bischof die Nachricht, ein Bettler habe krank und schwach an der Klosterpforte um Aufnahme gebeten, ohne seinen Namen zu nennen. Als es mit ihm zu Ende gegangen sei, habe er sterbend ausgerufen: „0 Rembert, dein Fluch!“ Jetzt wusste man Bescheid. Kein anderer, als der letzte Burgherr der Auburg, war der Bettler gewesen.

Nach Blume

Rosemanns Klause

Im Dreißigjährigen Kriege wurde der Rosemann’sche Hof in Kerßenbrock mehrfach zerstört, ausgeraubt und dem Erdboden gleich gemacht. Rosemann floh mit seiner Familie in die Holzungen des Teutoburger Waldes und hauste wie andere Bauern der Gegend in einer Höhle. Dort aber mangelte es an allem; denn die geringen Vorräte an Fleisch und Korn gingen zur Neige, und auch sonst fehlte hier manches, was man auf dem Hofe reichlich besessen hatte.

An einem nebligen Morgen verließ Rosemann deshalb sein Versteck und schlich, nur mit einer Keule und mit Gottvertrauen bewaffnet, durch Busch und Braken auf seinen Hof. Plötzlich sah er sich in der Trümmerstätte einem schwedischen Landsknecht gegenüber. Der Reiter zog das Schwert, während Rosemann mit der Keule dreinschlug. Die beiden Widersacher schenkten sich nichts. Immer wieder stürmte der Zornentbrannte Bauer trotz schwerer Verwundungen auf den Landsknecht ein. Seine derben Fäuste schwangen die Keule mit Kraft und Ausdauer, bis der Räuber erschlagen zu Boden sank.

Inzwischen hatte sich aber das Pferd des Reiters davongemacht. Es gelangte mit leerem Sattel zur Truppe zurück, die in der Gegend des Beutlingsberges ihr Standquartier hatte. Sogleich setzte sich eine Reiterabteilung in Trab, der es gelang, Rosemann einzufangen. Mit Stricken gebunden, brachte man ihn in das schwedische Lager. Hier galt die Anweisung, alle Leute zu füsilieren, die sich gegen Soldaten zur Wehr setzten. Die Hinrichtung sollte aber öffentlich im Hauptquartier des Obristen zu Telgte auf dem Marktplatze erfolgen.

Man band dort den zum Tode verurteilten Bauer an ein Wagenrad und stellte eine Wache von zwei Soldaten daneben. Es war aber gerade am Heiligen Abend, da dieses geschah. Während der kalten Winternacht tranken und lärmten die Landsknechte. Sie gerieten in Streit, zogen das

Messer und drangen aufeinander ein, da sie viel getrunken hatten und die Köpfe erhitzt waren. Berauscht und vom Kampfe ermüdet, achteten die Schweden nicht mehr auf den verurteilten Bauer.

Dieser zog mit dem Fuße ein Messer auf dem Pflaster nahe an sich heran und gelobte: „Herrgott, wenn du mich rettest, will ich dir aus Dankbarkeit eine Kapelle erbauen“ Und es gelang. Die zerschnittenen Fesseln fielen. Rosemann konnte entfliehen und kam glücklich zu seinem Versteck im Walde zurück. Er erfüllte, als der Friede einzog, sein Gelübde und erbaute auf seinem Hofe neben dem Wohnhause eine Klause, die seit Jahrzehnten umgebaut ist und ihren Platz an der Straße hat. In der Weihnacht leuchten dort Jahr um Jahr einige Kerzen in die Stille der Heiligen Nacht.

Nach Windus

Das Gnadenbild in Döhren bei Riemsloh

Eine Stunde südöstlich von Riemsloh liegt an der Warmenau das Grenzdorf Wallenbrück. Es war vor der Reformation ein berühmter Wallfahrtsort. Auch der Name weist darauf hin. Die Gläubigen aus dem Ravensberger, dem Osnabrücker und dem Paderborner Lande pilgerten damals in Scharen zum ,,Gnadenbilde der schmerzhaften Mutter an der Brücke“.

Nachdem nun die Wallenbrücker sich der neuen Lehre zugewandt hatten, wollten sie das Standbild aus ihrer Kirche entfernen und vernichten. Das hörte der Kolon Wilken in Döhren. Er schickte sofort seine beiden Kötter dorthin, um es für die Zukunft zu retten.

Einer von ihnen war mit dem Wallenbrücker Küster bekannt. Er unterhielt sich abends beim Kleppen vorne im Turme mit ihm, während der andere das Gnadenbild in einen Sack verschwinden ließ und mit ihm durch eine Hintertür der Kirche entfloh.

Sie brachten es Wilken, der es bis zum Eintritt ruhigerer Zeiten in einem Versteck treu bewahrte. Später stellte er es am Wege vor seinem Hofe in einem „Heiligenhäuschen“ auf. Dort hat es eine Reihe von Jahren gestanden, bis es in neuerer Zeit auf dem Wilkenschen Hofe seinen Platz erhielt. Altertumsfreunde suchen es dann und wann auf, aber als Gnadenbild ist es vergessen.

 Nach Wüstefeld.

Das Altarbild in der Oldendorfer Kirche

Oldendorf hat eine sehr alte Kirche. Sie ist nur klein, besitzt aber im Innern ein schönes Rippengewölbe. Von großem Wert ist der geschnitzte Altar aus dem 16. Jahrhundert. Er stellt das Leiden und Sterben des Heilandes dar.

Der Schäfer Heller aus Föckinghausen soll ihn geschaffen haben. Sein Name jedoch ist an keiner Stelle des Bildes zu finden. Statt dessen sollen nach der Meinung des Volkes der Schäferkarren an einem Hügel und ein Spitz hinreichend aussagen, dass ihm die Schnitzarbeit zu verdanken ist.

Die Sage erzählt weiter, dass man einmal dieses vortreffliche Kunstwerk nach Münster entführen wollte. Es war nämlich dem Bischof bekannt geworden, die Kirche zu Oldendorf besitze ein überaus schönes Altarbild. Er befahl nun, diesen Schatz nach Münster zu bringen. Dort sollte er in einer großen Kirche aufgestellt werden, damit noch mehr Christen durch seinen Anblick erbaut würden.

Die Oldendorfer Gemeinde war damit gar nicht einverstanden. Sie musste sich aber dem Willen des Bischofs fügen. Das Bild wurde auf den Wagen gehoben, und die Fahrt nach Münster begann. Man kam bis an die Grenze des Kirchspiels und gelangte in die Wissinger Heide. Dort konnten die Pferde nicht weiter. Man spannte noch zwei, vier, sechs, ja zehn Pferde mehr vor den Wagen, es nützte nichts, er war nicht von der Stelle zu bringen. Da kehrte man den Wagen, und siehe, zwei Pferde konnten das Bild mit leichter Mühe nach Oldendorf zurückfahren.

Groß war der Jubel der Gemeinde, als man es an seinem alten Platze wieder aufstellte. Das Volk sagte: „Wir haben Maria diese Kirche geweiht. Sie wollte es nicht zulassen, dass dieses kostbare Bild aus unserm Gotteshause entfernt wurde.“

Nach Schulhof

Das Kreuz in der Kirche zu Melle

Die katholische Kirche in Melle besitzt einen großen Schatz. Es ist das Triumphbogenkreuz über dem Chor. An dieses Kunstwerk knüpft sich folgende Sage:

Nach dem Glauben unserer biederen Vorfahren durfte die Stille der Heiligen Nacht durch nichts gestört werden. Man durfte nicht einmal Heu und Stroh für die Fütterung der Haustiere von der Hiele ziehen. Nun war einst auf Ellebrechts Hofe in Gerden am Weihnachtsmorgen die Magd allein zu Hause, alle übrigen Bewohner waren mit dem Bauern zur Kassuchte gegangen. Die Magd wollte die Kühe füttern. Sie zog deshalb mit der Harke Stroh von der Hiele. Da stürzte mit Gekrach ein großes Kreuz herab. Voll Schrecken rief das Mädchen: „Jesus, Maria!“ Eine Stimme antwortete: „Hättest du nicht das Wort gesprochen, so wäre dir das Genick gebrochen.“ Das Kreuz wurde dann zur Kirche in Melle gebracht.

Nach Schulhof

Die Glocken von Wallenbrück

Wer von den Höhen Riemslohs hinabwandert durch die Wälder von Döhren zum Tal der Warmenau, der wird erfreut sein über den Klang der vielen Kirchenglocken, die er hier hören kann. Riemsloh, St. Annen, Neuenkirchen, Hoyel lassen ihre wuchtigen Glockenklänge erschallen.  Aber bald wird der Wanderer ein Geläut heraushören, das alle anderen an Wohlklang übertrifft. Es sind die Glocken von Wallenbrück, einer kleinen Gemeinde hart an der Grenze im Westfälischen. Dieses Geläut stammt aus dem 12. Jahrhundert. Die Glocken stehen unter Denkmalschutz und haben auch die beiden letzten Kriege überstanden. Über ihre Entstehung erzählt man sich folgende Geschichte:

Schon lange war es der Wunsch der Gemeinde, ein Geläut für ihre Kirche zu besitzen. Endlich waren unter großen Opfern die Mittel zusammengebracht. Der Glockengießer hatte seinen Schmelzofen auf dem ,,Klockenbrink“ errichtet, die Formen waren in großen Erdlöchern untergebracht. Der Tag des Glockengusses war herangekommen. Die ganze Gemeinde war versammelt, um dieses Ereignis mitzuerleben. Im letzten Augenblick erschien der Herr des Gutes Warmenau, das an der Grenze, aber noch im Hannoverschen liegt. Mit ihm kam seine Familie. Vorauf gingen die drei Töchter. In ihren Schürzen trugen sie die silbernen Taler, die sie zur Taufe und an Geburtstagen von Paten und Verwandten erhalten hatten.

Sie baten den Glockengießer, das Silber mit in die Gussmasse zu tun. Mehr Freude könnten sie nicht an ihrem Besitz haben, als dass er zur Ehre Gottes erklinge. Der Glockengießer tat, wie ihn die Edelfräulein baten. Als der Guss erkaltet war und die Glocken zum erstenmal ihre eherne Stimme aus dem Glockenstuhl erschallen ließen, da waren alle erstaunt über das prächtige Geläut. Das Opfer der Kinder hatte den Glocken einen Wohlklang verliehen, wie ihn bis dahin niemand gehört hatte.

Heute sind die Glocken über siebenhundert Jahre alt. Sie haben aber von ihrem Wohlklang noch nichts eingebüßt.

Heims.

Der lateinische Spruch

Ein Bauer aus Nüven und ein Priester gingen gemeinsam auf die Jagd. Gegen Abend sprang ein fetter Hase aus dem Busch. „Halt“, sagte der Priester, ,,nehmt ihn aufs Korn, oder lohnt sich der Schuss im Zwielicht nicht mehr?“ Darauf entgegnete der Bauer: „Warum nicht! Wenn ich will, treffe ich zu jeder Tageszeit das Wild, mag die Sicht auch schwarz sein wie die Nacht. Ich brauche nur ein paar lateinische Worte zu sagen.“

Der Bauer sprach die Worte aus, schoss, und der Hase rührte sich nicht mehr. In demselben Augenblick sahen sie einen schwarzen Hund mit glühenden Augen auf sich zukommen. 

Nachher fragte der Geistliche den Bauer, ob er wüsste, wie der lateinische Spruch zu Deutsch heiße. Darauf konnte der Bauer ihm keine Antwort erteilen. „Dann will ich euch die Worte verraten“, beendete der Priester das Gespräch:

„Teufel, halt mir dieses Tier,
meine Seele schenk ich dir!“

H. Rahe

Der Schlag vor die Deichsel

Ein Bauer hatte im Walde ein großes Fuder Holz geladen. Unterwegs lief der Wagen in einer Spur fest und war nicht von der Stelle zu bringen, obwohl man ein zweites Gespann Pferde einsetzte. Der Knecht sagte darauf, der Wagen sei besprochen. Man müsse eine Runge abschlagen, dann würde der Besprecher einen Arm verlieren.

Als der Bauer nicht einverstanden war, riet der Knecht, eine Speiche aus dem Rad zu brechen, damit der Besprecher um ein Bein gebracht würde. Da nun der Bauer auch dieses nicht zulassen wollte, empfahl ihm der Knecht, das Letzte zu tun und mit Gewalt vor das Deichselende zu schlagen, dann würde man den Kopf des Zauberers treffen.

Mit diesem Rat war der Bauer einverstanden. Der Knecht griff die Axt und schlug mit aller Wucht vor die Deichsel. Sogleich kam ein schwarzer Hund unter dem Wagen hervor. Der Knecht griff die Leine, ließ die Pferde anziehen, und leicht konnte das Gespann die Fuhre den Brink hinaufschaffen.

H.Rahe

Blautenberg

Die Sage erzählt von dem Tierarzt Blautenberg, der gleichzeitig eine großer Magier war.

Den Ruf eines hervorragenden Zauberkünstlers genoss der Tierarzt Blau­tenberg auf dem Hingstenberg bei Wallenbrück. Von nah und fern suchten die Landleute seinen Rat. Eines Tages erschien in seinem Hause der Bauer Naber aus Drantum bei Melle. Er suchte Hilfe für sein Pferd, das an einer hartnäckigen Krankheit litt. Blautenberg war wie so oft unterwegs, und man rechnete nicht vor Mitternacht mit seiner Rückkehr. Naber wollte solange warten, denn er scheute den weiten Weg.

Als sich nun alle Hausgenossen zur Ruhe begaben, bestieg Naber die Hiele,um die Zeit zu verschlafen. ln später Stunde kam Blautenberg heim. Er merkte sogleich, dass ein Fremder in seinem Hause weilte, und eine geisterhafte Stimme nannte ihm den Namen des Gastes. Naber verließ nun die Lagerstätte, trug sein Anliegen vor, und Blautenberg fertigte ihn in zuvorkommender Weise ab. 

Es war aber stockfinstere Nacht und der Bauer des Weges nicht kundig. Er bat deshalb Blautenberg. ihm bis zur Straße einen zuverlässigen Führer zu geben, Er wunderte sich nicht wenig, als Blautenberg ihm einen Krückstock überreichte und ihm einschärfte, ihn daheim an einer sicheren Stelle zu verwahren und so bald wie möglich zurückzubringen. 

Erwartungsvoll verließ Naber das Haus. Da strahlte der merkwürdige Stock eine solche Fülle des Lichts aus, dass der Weg taghell vor ihm lag.
Wohlbehalten traf der Bauer bei den Seinen wieder ein. Er stellte den Stock in den Schrank und versteckte den Schlüssel dazu an einem

heim­lichen Ort. Dennoch war der ihm anvertraute Geleitstock am Morgen auf unerklärliche Weise spurlos verschwunden. Naber suchte lange vergeb­lich. Dann machte er sich wieder auf den Weg zu Blautenberg, um ihm das rätselhafte Verschwinden zu melden. Hier erfuhr er zu seinem größ­ten Erstaunen, der Stock habe sich, wie nicht anders erwartet, schon vor Tagesanbruch bei Blautenberg eingefunden.

Nach Westerfeld.

Ähnlich erging es dem alten Strotmann und anderen Bauern. Einen von ihnen sagte Blautenberg einst: „Diesen Wunderknüppel verleiht unsere Sippe schon mehr als hundert Jahre lang. Keiner brauchte ihn uns zurückzubringen; denn jedes Mal kam er von selbst heim. Immer wieder steht er am folgenden Tage hier in der Ecke!“

Nach Windus

Auch sonst übte Blautenberg die schwarze Kunst mit vollendeter Meister­schaft aus. Eines Tages füllte seine Frau die auf den Mittagstisch ge­stellten Becken mit Speise. Sie war überrascht, als im Gemüsetopf das Fleisch fehlte. Es war in einem unbewachten Augenblick daraus entwendet. Wo steckte der Dieb? Man verdächtigte die im Hause beschäf­tigten fremden Drescher. Sie beteuerten indessen ihre Unschuld.

Um sich Gewissheit zu verschaffen, holte Blautenberg drei Zauberstäbchen hervor und klopfte damit dreimal auf den Tisch. Da stieß der große Hofhund ein markerschütterndes Geheul aus. Schreckensbleich nahmen die Zuschauer wahr, dass dem Tiere beide Augen aus dem Kopfe gefallen waren. Blautenberg nahm sie und setzte sie wieder ein. Die Drescher atmeten auf, denn nun hatte man den Dieb deutlich erkannt.

Nach Westerfeld.

Einer aus Nüven war dabei, als dieses geschah, und er erzählte es in der ganzen Gegend. Er fand aber bei den Leuten keinen Glauben. Da wurde er zornig und rief:“Watt? lcke sehn hew, Augen vodden Koppe höngen.“

Mündl. Überlieferung.

Einem Bauern war eine Anzahl Schweine erkrankt. Was er auch an­stellte, sie wollten nicht mehr fressen. Der Bauer ging darauf zu Blauten­berg und erzählte ihm seine Not. Dieser riet ihm:,,Du kennst doch gewiss die Stelle, wo die zwei Leichenwege zusammenlaufen. Dorther hole eine Schaufel Erde und mache damit allen Tieren drei Kreuze auf den Rücken!“ Der Bauer handelte nach dem Rat, und die kranken Schweine wurden wieder munter.

Die Zwillstelle der Leichenwege soll auf dem Schimm bei Gesmold ge­wesen sein.

Mündl. Überlieferung.

Zu Religmann kam ein Bettler auf den Hof, den alle Leute Slukköske nannten. Die Bäuerin schimpfte: „Du graude, starke Kärdel kanns gout arbeiden. Gong dine Weärge!“ Ohne ein Wort zu sagen, schritt Sluk­köske die Diele hinunter, erfasste eine Kuh an den Hörnern und verließ das Haus. Von der Stunde an hörte das Tier auf zu fressen. Da war guter Rat teuer. Religmann suchte deshalb Blautenberg auf. Dieser empfahl ihm die Diele von oben bis unten mit Reiserbesen zu belegen, damit Slukköske sie nicht wieder betreten könne. Am ändern Tage kam Sluk­köske herein, erfasste die Hörner der Kuh, und sofort fraß das Tier wieder.

Mündl. Überlieferung.

 

 

Die Schatzgräber auf der Hünenburg

Die Riesen auf der Hünenburg bei Riemsloh besaßen gewaltige Schätze. Da wurde die Burg von einem großen Heere belagert und endlich zerstört. Bevor sich die Riesen ergaben, warfen sie den Schatz in den tiefen Burgbrunnen.

Schon mancher versuchte seitdem, ihn wieder zu heben. Doch war alles vergebens; denn niemand kannte den Zauberspruch, der ihn freigab. Nun hatte ein Mann die seltenen Worte erfahren. Er versuchte mit anderen sein Glück, und sie gingen daran, den Riesenschatz aus der Tiefe zu holen.

Es war an einem schönen Sommerabend, als sie zu graben begannen. Niemand durfte bei der Arbeit sprechen. Geschah es doch, dann fiel der Schatz gleich wieder zurück in den Abgrund. Lautlose Stille herrschte darum. An Seilen zogen die Schatzgräber die wertvolle Last langsam und vorsichtig empor. Fast hatte man den schweren Kasten oben, da brummte eine große Wespe heran, umkreiste den Kopf eines Schatzgräbers und stach ihn in den Nacken. „Au!“ schrie dieser entsetzt, und hinter ihm sah man den Teufel in seiner hässlichen Höllengestalt. Voll Schrecken ließen die Männer die Stricke fahren und flohen, und der Kasten stürzte hinab in die Tiefe. In das donnerähnliche Krachen mischte sich das gellende Hohngelächter des listigen Teufels. Als beherzte Leute nach einiger Zeit sich wieder der Stelle näherten, war der Brunnen verschwunden.

Nach Schulhof

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