in der Stadt Melle

Autor: Heinz (Seite 2 von 6)

Der tolle Herr

 Auf dem Schlosse Gesmold wohnte vor langen Zeiten ein Herr, der auch in seiner besten Haut nicht taugte. Keinem Menschen gab er ein gutes Wort. Wer ihm entgegenkam, erhielt Schläge mit der Hundepeitsche. Wie ein schwarzes Gewitter guckte er drein und verzog keine Miene zum Lachen. Die Kinder hatten vor ihm Angst. Wenn sie nicht stille sein wollten, rief die Großmutter: „Der tolle Herr kommt!“ Gleich flohen sie in die Ecke und rührten sich nicht.

Der tolle Herr fuhr zu jeder Zeit mit vier schwarzen Hengsten ins Land. Wenn er die Zügel in die Faust nahm, schrie er: „In drei Teufels Namen!“ Der Bauer auf dem Felde und der Bote auf der Straße segneten sich, wenn er vorbeisauste.

Einmal war in Gesmold ein großer Brand. Der Wind drehte sich und trieb die Funken über alle Häuser rund um die Femlinde. Auch die alte Kirche stand in großer Gefahr. Die Flammen schlugen über das Dach, und feurige Zungen beleckten den Turm. An Löschen dachte niemand. Jeder hatte genug an seiner eigenen Not. Da donnerte es vom Schlosse her über die Brücke. Mit seinen vier schwarzen Hengsten kam der tolle Herr und jagte über die Mauer, die rund um den Kirchhof lief. Er stand in seinem Wagen; das schwarze Haar wehte ihm um die Stirn, und die grimmigen Augen glühten. Er rief: „Lasst alles in drei Teufels Namen brennen! Bewacht nur den Tempel hier!“ Mit einem Schlage erlosch das Feuer, als wenn man ein Licht auspustet. – Die Leute wussten nun aber, mit wem es der tolle Herr zu tun hatte, und sie liefen ihm nun erst recht aus dem Wege.

Auf dem Schlosse ging es seit der Zeit her wie in einem Hexenkeller. Am Tage herrschte Totenstille, nachts aber waren alle Fenster erleuchtet. Baßgeige, Violine und Trommel musizierten. Hinter den Fenstern tanzten dunkle Schatten, doch wusste niemand, was für Leute es waren und woher sie kamen. Die Eulen hockten auf der Schlossmauer und lauschten. Wenn sie aber schauerlich jaulten, sagten die Leute: „Nun wird wieder einer lebendig eingemauert. Man erzählte sich, in der hohen Schlossmauer säßen die Leichen Reihe an Reihe, die armen Menschen müssten darin verhungern.

An einem grauen Herbsttag  jagte der tolle Herr vom Schloss aus über Oldendorf in die Berge. Wo er gewesen ist, weiß man nicht. Es war spät in der Nacht, als er zurückkam. Vor der Wullbergsheide sagte er zu seinem Kutscher: „Steig ab!“ Der gab ihm die Zügel, und als er absprang, fiel er mit dem Gesicht in den Moorgraben. Er rieb sich die Augen und sah das Gefährt quer durchs Bruch sausen. Drei Irrlichter tanzten voran.

Der tolle Herr stand aufrecht in seinem Wagen und lachte so schauerlich, dass es dem Kutscher kalt über den Rücken lief. „In drei Teufels Namen“, hörte er ihn fluchen. Die vier Hengste sprangen hoch, und dann war es auf einmal totenstill. In demselben Augenblick schlug auf dem Schlosse die Uhr zwölf. Die Irrlichter verglühten im ,,Bucksdiek“. Dort war der tolle Herr mit seinen schwarzen Hengsten zugrunde gegangen.

Wenn aber die rauhen Nächte sind, wenn der Sturm in den Eichenwipfeln heult und der Kauz im Wullberg schreit, dann steigt das Gespann aus dem „Bucksdiek“. Die Hengste schütteln sich das Wasser aus den schwarzen Mähnen, der tolle Herr knallt mit einer glühenden Peitsche und ruft: „In des Teufels Namen!“ Dann geht es im Geistergalopp oben über die Mauern des Gesmolder Kirchhofs und hinein ins Schloss. Einer, der es mit eigenen Augen ansah, ist davon wahnsinnig geworden.

Nach Schulhof

Der Unglücksring von Overkamp

In Küingdorf stand einst die stolze Wasserburg Overkamp, von deren Größe heute nur noch einige Gräben und Mauerreste zeugen. Vor Jahrhunderten lebte auf dieser Burg die Witwe des Ritters von Beesten. Sie besaß einen kostbaren Siegelring, den sie ständig am Finger trug, weil er jedermann gefiel. Die alte Amme, von der sie aufgezogen worden war, hatte ihr von dem Ring mit dem Wappen ihres Geschlechtes erzählt, dass er seinem Besitzer nicht immer Glück, sondern manchmal auch Unglück gebracht habe.

Heimatverein Melle e V Der Unglücksring von Overkamp

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Der Unglücksring von Overkamp

In Küingdorf stand einst die stolze Wasserburg Overkamp, von deren Größe heute nur noch einige Gräben und Mauerreste zeugen. Vor Jahrhunderten lebte auf dieser Burg die Witwe des Ritters von Beesten. Sie besaß einen kostbaren Siegelring, den sie ständig am Finger trug, weil er jedermann gefiel. Die alte Amme, von der sie aufgezogen worden war, hatte ihr von dem Ring mit dem Wappen ihres Geschlechtes erzählt, dass er seinem Besitzer nicht immer Glück, sondern manchmal auch Unglück gebracht habe. Zum Unglück sei er ihren Vorfahren geworden, wenn einer von ihnen sein Herz gar zu sehr an den Ring und andere irdische Güter gehängt habe. Die junge Frau, die leichten Sinnes war, hatte darüber gelacht. Ihr erschien das Leben glücklich, das sie mit ihrem Mann, dem wilden Ritter von Beesten geführt hatte. Und als er beim Würfelspiel, das sie ebenso liebte wie er selbst, tot umsank, ließ sie sich das nicht zur Warnung dienen. Sobald die Trauerzeit um war, fuhr sie wieder zu Fest und Spiel von Burg zu Burg. Und der Spielteufel bekam sie so in seine Gewalt, dass sie Hab und Gut zu verspielen begann. Ihr treuer Verwalter, ein Sohn der alten Amme, sah es mit großer Sorge. Schließlich nahm er sich das Herz und stellte ihr in ehrerbietigen Worten vor, dass sie sich und ihre kleine Tochter um Haus und Hof bringe, wenn sie ihr Leben nicht ändere.

“Es liegt nicht daran, dass ich mich des Lebens freue“, sagte die Rittersfrau und zog den Wappenring vom Finger. „Mir ist klar geworden, dass der Ring meinem Glück entgegensteht. Er hat mir den Mann genommen und bringt mir auch im Spiel Unglück. Aber so wahr es ist, dass ich ihn nie wiedersehen werde, so wahr wird mir jetzt das Glück treu sein.“ Damit trat sie an das Fenster und warf den Ring in das tiefe Wasser des Schlossgrabens.

Der Verwalter war darüber tief erschrocken. Es schien aber, als solle die Frau mit ihrer Voraussage Recht behalten: denn während der nächsten Wochen verlor sie nicht im Spiel. Und die Frau dachte kaum noch an den Ring auf dem morastigen Grunde des Schlossgrabens. An einem Freitag während der Fasten wurde in der Küche ein Karpfen zugerichtet, den der Verwalter gefangen hatte. Im Schlund des Fisches fand die Magd den Siegelring. Der Verwalter, der neben ihr stand, brachte ihn sogleich zu der Rittersfrau.

„Ihr wolltet ihn niemals wiedersehen, Herrin“, sagte er. „Doch der Fisch, den ich für Euch fing, brachte ihn in die Burg zurück. Und ich will ein ehrlicher Mann bleiben. Deshalb muss ich Euch den Ring zurückgeben. Aber ich bitte Euch nochmals: Lasst ab vom Spiel!“

Die Frau nahm den Ring in die Hand und betrachtete ihn lange, bevor sie sagte: „Er soll mir aus den Augen! Wenn er nicht im Burggraben bleiben will, dann setze ich ihn heute abend im Spiel und will ihn verlieren.“

Vergeblich beschwor der Verwalter seine Herrin, nicht mit dem Schicksal zu spielen. In der Nacht verlor die Rittersfrau nicht nur den Wappenring, sondern auch allen Besitz ihres Geschlechtes.

Die Burg erhielt einen neuen Besitzer, der sein eigenes Schloss auf Brinke besaß und die Burg Overkamp verfallen ließ. Die leichtsinnige Witwe des wilden Ritters von Beesten aber lebte noch viele Jahre als arme Frau in einem Kotten auf dem Hofe des Bauern Harre.

W. Fredemnnn.

Die Sage von der Auburg

In der Bauernschaft Peingdorf liegen zwischen der Hase- und der Aubrücke nahe der Straße von Wellingholzhausen nach Borgloh die Ruinen der Auburg. Diese lassen erahnen, welchen bedeutenden Umfang diese Wasserburg vormals gehabt hat. Die Geschichte weiß wenig von ihr zu erzählen; die Sage berichtet über sie in den lebhaftesten Farben.

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Rosemanns Klause

Im Dreißigjährigen Krieg wurde der Rosemann´sche Hof in Kerßenbrock mehrfach zerstört, ausgeraubt und dem Erdboden gleich gemacht. Die Sage erzählt, wie es zu der Klause gekommen ist.

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Das Gnadenbild in Döhren bei Riemsloh

Südöstlich von Riemsloh liegt an der Warmenau das Grenzdorf Wallenbrück. Es war vor der Reformation ein berühmter Wallfahrtsort. Die Gläubigen aus dem Ravensberger, dem Osnabrücker und dem Paderborner Lande pilgerten damals in Scharen zum „Gnadenbilde der schmerzhaften Mutter an der Brücke. Wie nun das „Gnadenbild“ von Wallenbrück nach Döhren bei Riemsloh kam, schildert die Erzählung der Sage in diesem Video.

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Die Sage von der Auburg

 In der Bauerschaft Peingdorf liegen zwischen der Hase- und der Aubrücke nahe der Straße von Wellingholzhausen nach Borgloh die Ruinen der Auburg. Man erkennt ein einfaches Wohnhaus, die Reste des alten Burgtores und Spuren der früheren Außengäben. Sie lassen ahnen, welchen bedeutenden Umfang diese Wasserburg vormals gehabt hat. Die Geschichte weiß wenig von ihr zu erzählen; die Sage aber berichtet über sie in den lebhaftesten Farben:

Im 13. Jahrhundert saß auf der Auburg ein mächtiges Rittergeschlecht. Es war reich an Land und Leuten. Der Burgherr verbrachte sein Leben mit prunkvollen Festen, mit ausgelassenen Gelagen und mit lustigen Jagden in der waldreichen Berggegend. Immer wieder bewirtete er eine große Zahl von Gästen in seinem Hause.

Weil er aber von rohem und prahlerischem Wesen war, geriet er mit seinen adeligen Nachbarn oft in Streit. Aus den blutigen Fehden ging er fast immer als Sieger hervor.

Das schwelgerische Leben und die andauernden Kämpfe zehrten die Reichtümer des Ritters bald auf. Auch die hohen Abgaben, die er von den hörigen Bauern erpresste, reichten nicht aus, um die Verarmung des Geschlechtes abzuwenden. Da wurde der Auburger ein Raubritter. Er machte die ganze Umgegend bis Münster, Bielefeld, Herford, Osnabrück und Bremen unsicher.

Einst kehrte er im Märzmonate von einem Raubzuge heim, den er bis vor die Tore Münsters ausgedehnt hatte. Reiche Beute war ihm in die Hände gefallen. Auf der Auburg veranstaltete er nun mit seinen Kumpanen ein wüstes Gelage. Da trat ein Knappe in den Saal. Er teilte dem Auburger mit, der Ritter Rembert von Hoyel sei mit wenigen Mannen auf dem Grönenberg bei Melle eingekehrt. Er wolle am andern Morgen nach Iburg weiterziehen.

Zwischen Rembert und dem Auburger bestand eine alte Feindschaft. Beide hatten sich in der Jugend um die schöne Adela von Hege beworben. Diese hatte den edlen Rembert zum Gemahl erwählt. Er war freilich nur ein Dienstmann, zeichnete sich aber durch einen ritterlich frommen Sinn aus und war überdies ein Meister im Gesang und im Saitenspiel. Er verachtete das Räuberleben vieler Ritter der damaligen Zeit und half den Armen und Unterdrückten, wo er nur konnte.

Der Auburger sah ihn seitdem als seinen Widersacher an und trachtete ihm beständig nach dem Leben. Rembert verhielt sich klug und hatte bisher alle Angriffe mit Tapferkeit abgeschlagen. Als er jetzt in der Morgenfrühe vom Grönenberg nach Iburg zog und durch den Ausberger Pass dem Königsbach zuritt, erscholl plötzlich hinter und vor ihm Kampfgeschrei. Der Auburger griff ihn mit großer Übermacht an. Tapfer wehrten sich die Überfallenen, jedoch der Feinde Zahl war zu groß. Rembert geriet mit dreien seiner Söhne – alle mit blutigen Wunden – in Gefangenschaft, nur der jüngste entkam mit seinem Knappen.

Der Auburger zog mit den Gefangenen nach seinem Raubsitz. Hier ließ er die drei verwundeten Söhne am Tore aufhängen und dann dem unglücklichen Vater mit einem Stahl die Augen blenden. Einen furchtbaren Fluch sprach der Blinde über den Auburger aus, bevor er in der Tiefe des unheimlichen Kerkers verschwand. Schon bald sollte das Blut seiner hingemordeten Söhne gerächt werden.

Graf Simon von der Lippe war nämlich der mächtige Lehnsherr Remberts. Als er und der Bischof von Osnabrück Kunde von der letzten Schandtat des Auburgers erhielten, sandten sie eine große Zahl Reisige aus, um den Straßenräuber zu züchtigen. Der hervorragendste Held unter ihnen war Alhard von Vincke, der Droste des Grönegaus.

Die Auburg wurde belagert. Man war entschlossen, nicht eher zu weichen, bis sie erobert und der Raubritter unschädlich gemacht war. Dieser gab sich nicht verloren und verlachte die Belagerer. Durch die letzten Beutezüge hatte er nämlich die Burg reichlich mit Vorräten versorgt. Überdies konnte er sie durch einen unterirdischen Gang jederzeit mit neuen Nahrungsmitteln füllen. So sehr die Reisigen auch nach dem Gang suchten, sie fanden ihn nicht, und einen ganzen Monat schon hatte die Belagerung gedauert. Da kam die Karwoche heran. Der Gottesfrieden wurde ausgerufen, und die Waffen mussten ruhen.

Am Karfreitag verließ Dirk Lüning aus Peingdorf den ärmlichen Hof seines Vaters. Er begab sich auf Alfermanns Heide, wo damals noch ein Sumpf war, um Kiebitzeier zu suchen. Da hörte er Waffengetöse auf sich zukommen. Erschreckt verbarg sich Dirk hinter einen dichten Busch. Er traute kaum seinen Augen. Nicht weit von ihm öffnete sich die Erde. Eine mit Moos bewachsene Steinplatte schob sich zur Seite, und ein unterirdischer Gang wurde sichtbar. Da, ein bewaffneter Mann stieg heraus, und eine ganze Reihe Kriegsleute folgte. Sie kamen aus der Auburg und wollten über die ahnungslosen Belagerer herfallen, die wegen des Gottesfriedens die Waffen abgelegt hatten.

Dirk eilte zu Alhard von Vincke. Kaum hatte dieser Zeit, seine Streiter zum Kampfe zu rufen, als die Auburger schon heranstürmten. Die Überfallenen entbrannten in Wut; denn nicht einmal der Gottesfrieden war den Auburgern heilig gewesen. Laut hallte das Kampfgetöse durch den Wald, der Überfall wurde abgeschlagen, und die Erstürmung der Raubritterburg konnte beginnen. Die Bauern eilten in großen Scharen herbei, um bei den Vorbereitungen zu helfen. Der Angriff wurde auf den Osterdienstag festgesetzt.

Mit Tagesanbruch entspann sich um die Auburg ein furchtbarer Kampf. Dirk Lüning führte den Ritter Todrank von Kilver mit mehreren tapferen Genossen durch den geheimen Gang in die Burg. Wahres Entsetzen fasste die Überraschten, sie fielen unter den Streichen Todranks und seiner Leute. Auch acht Söhne des Burgherrn deckten den Kampfplatz. Eine stürzende Mauer erschlug die Herrin und ihre beiden Töchter. Vergebens suchte man in den Winkeln und Verstecken des Raubnestes den Unhold, der den Frieden des Landes gebrochen hatte. Er allein war entkommen. Seine Burg aber ging in Flammen auf, die Ländereien wurden geteilt. Dirk Lüning war der Held des Tages, er bekam Ostmeiers Hof zur Belohnung.

Der blinde Rembert wurde im Triumphe aus dem Kerker befreit. Still lebte er mit seiner Gemahlin Adela und seinem geretteten Sohne auf dem Gute Warmenau. Nur den Bischof von Osnabrück besuchte er alle Jahre in Iburg auf einige Zeit.

Zwei Jahre nach der Zerstörung der Auburg brachte ein Mönch aus dem Kloster Marienfeld zum Bischof die Nachricht, ein Bettler habe krank und schwach an der Klosterpforte um Aufnahme gebeten, ohne seinen Namen zu nennen. Als es mit ihm zu Ende gegangen sei, habe er sterbend ausgerufen: „0 Rembert, dein Fluch!“ Jetzt wusste man Bescheid. Kein anderer, als der letzte Burgherr der Auburg, war der Bettler gewesen.

Nach Blume

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