in der Stadt Melle

Schlagwort: Heimatverein (Seite 2 von 5)

Der tolle Herr

 Auf dem Schlosse Gesmold wohnte vor langen Zeiten ein Herr, der auch in seiner besten Haut nicht taugte. Keinem Menschen gab er ein gutes Wort. Wer ihm entgegenkam, erhielt Schläge mit der Hundepeitsche. Wie ein schwarzes Gewitter guckte er drein und verzog keine Miene zum Lachen. Die Kinder hatten vor ihm Angst. Wenn sie nicht stille sein wollten, rief die Großmutter: „Der tolle Herr kommt!“ Gleich flohen sie in die Ecke und rührten sich nicht.

Der tolle Herr fuhr zu jeder Zeit mit vier schwarzen Hengsten ins Land. Wenn er die Zügel in die Faust nahm, schrie er: „In drei Teufels Namen!“ Der Bauer auf dem Felde und der Bote auf der Straße segneten sich, wenn er vorbeisauste.

Einmal war in Gesmold ein großer Brand. Der Wind drehte sich und trieb die Funken über alle Häuser rund um die Femlinde. Auch die alte Kirche stand in großer Gefahr. Die Flammen schlugen über das Dach, und feurige Zungen beleckten den Turm. An Löschen dachte niemand. Jeder hatte genug an seiner eigenen Not. Da donnerte es vom Schlosse her über die Brücke. Mit seinen vier schwarzen Hengsten kam der tolle Herr und jagte über die Mauer, die rund um den Kirchhof lief. Er stand in seinem Wagen; das schwarze Haar wehte ihm um die Stirn, und die grimmigen Augen glühten. Er rief: „Lasst alles in drei Teufels Namen brennen! Bewacht nur den Tempel hier!“ Mit einem Schlage erlosch das Feuer, als wenn man ein Licht auspustet. – Die Leute wussten nun aber, mit wem es der tolle Herr zu tun hatte, und sie liefen ihm nun erst recht aus dem Wege.

Auf dem Schlosse ging es seit der Zeit her wie in einem Hexenkeller. Am Tage herrschte Totenstille, nachts aber waren alle Fenster erleuchtet. Baßgeige, Violine und Trommel musizierten. Hinter den Fenstern tanzten dunkle Schatten, doch wusste niemand, was für Leute es waren und woher sie kamen. Die Eulen hockten auf der Schlossmauer und lauschten. Wenn sie aber schauerlich jaulten, sagten die Leute: „Nun wird wieder einer lebendig eingemauert. Man erzählte sich, in der hohen Schlossmauer säßen die Leichen Reihe an Reihe, die armen Menschen müssten darin verhungern.

An einem grauen Herbsttag  jagte der tolle Herr vom Schloss aus über Oldendorf in die Berge. Wo er gewesen ist, weiß man nicht. Es war spät in der Nacht, als er zurückkam. Vor der Wullbergsheide sagte er zu seinem Kutscher: „Steig ab!“ Der gab ihm die Zügel, und als er absprang, fiel er mit dem Gesicht in den Moorgraben. Er rieb sich die Augen und sah das Gefährt quer durchs Bruch sausen. Drei Irrlichter tanzten voran.

Der tolle Herr stand aufrecht in seinem Wagen und lachte so schauerlich, dass es dem Kutscher kalt über den Rücken lief. „In drei Teufels Namen“, hörte er ihn fluchen. Die vier Hengste sprangen hoch, und dann war es auf einmal totenstill. In demselben Augenblick schlug auf dem Schlosse die Uhr zwölf. Die Irrlichter verglühten im ,,Bucksdiek“. Dort war der tolle Herr mit seinen schwarzen Hengsten zugrunde gegangen.

Wenn aber die rauhen Nächte sind, wenn der Sturm in den Eichenwipfeln heult und der Kauz im Wullberg schreit, dann steigt das Gespann aus dem „Bucksdiek“. Die Hengste schütteln sich das Wasser aus den schwarzen Mähnen, der tolle Herr knallt mit einer glühenden Peitsche und ruft: „In des Teufels Namen!“ Dann geht es im Geistergalopp oben über die Mauern des Gesmolder Kirchhofs und hinein ins Schloss. Einer, der es mit eigenen Augen ansah, ist davon wahnsinnig geworden.

Nach Schulhof

Der Unglücksring von Overkamp

In Küingdorf stand einst die stolze Wasserburg Overkamp, von deren Größe heute nur noch einige Gräben und Mauerreste zeugen. Vor Jahrhunderten lebte auf dieser Burg die Witwe des Ritters von Beesten. Sie besaß einen kostbaren Siegelring, den sie ständig am Finger trug, weil er jedermann gefiel. Die alte Amme, von der sie aufgezogen worden war, hatte ihr von dem Ring mit dem Wappen ihres Geschlechtes erzählt, dass er seinem Besitzer nicht immer Glück, sondern manchmal auch Unglück gebracht habe. Zum Unglück sei er ihren Vorfahren geworden, wenn einer von ihnen sein Herz gar zu sehr an den Ring und andere irdische Güter gehängt habe. Die junge Frau, die leichten Sinnes war, hatte darüber gelacht. Ihr erschien das Leben glücklich, das sie mit ihrem Mann, dem wilden Ritter von Beesten geführt hatte. Und als er beim Würfelspiel, das sie ebenso liebte wie er selbst, tot umsank, ließ sie sich das nicht zur Warnung dienen. Sobald die Trauerzeit um war, fuhr sie wieder zu Fest und Spiel von Burg zu Burg. Und der Spielteufel bekam sie so in seine Gewalt, dass sie Hab und Gut zu verspielen begann. Ihr treuer Verwalter, ein Sohn der alten Amme, sah es mit großer Sorge. Schließlich nahm er sich das Herz und stellte ihr in ehrerbietigen Worten vor, dass sie sich und ihre kleine Tochter um Haus und Hof bringe, wenn sie ihr Leben nicht ändere.

“Es liegt nicht daran, dass ich mich des Lebens freue“, sagte die Rittersfrau und zog den Wappenring vom Finger. „Mir ist klar geworden, dass der Ring meinem Glück entgegensteht. Er hat mir den Mann genommen und bringt mir auch im Spiel Unglück. Aber so wahr es ist, dass ich ihn nie wiedersehen werde, so wahr wird mir jetzt das Glück treu sein.“ Damit trat sie an das Fenster und warf den Ring in das tiefe Wasser des Schlossgrabens.

Der Verwalter war darüber tief erschrocken. Es schien aber, als solle die Frau mit ihrer Voraussage Recht behalten: denn während der nächsten Wochen verlor sie nicht im Spiel. Und die Frau dachte kaum noch an den Ring auf dem morastigen Grunde des Schlossgrabens. An einem Freitag während der Fasten wurde in der Küche ein Karpfen zugerichtet, den der Verwalter gefangen hatte. Im Schlund des Fisches fand die Magd den Siegelring. Der Verwalter, der neben ihr stand, brachte ihn sogleich zu der Rittersfrau.

„Ihr wolltet ihn niemals wiedersehen, Herrin“, sagte er. „Doch der Fisch, den ich für Euch fing, brachte ihn in die Burg zurück. Und ich will ein ehrlicher Mann bleiben. Deshalb muss ich Euch den Ring zurückgeben. Aber ich bitte Euch nochmals: Lasst ab vom Spiel!“

Die Frau nahm den Ring in die Hand und betrachtete ihn lange, bevor sie sagte: „Er soll mir aus den Augen! Wenn er nicht im Burggraben bleiben will, dann setze ich ihn heute abend im Spiel und will ihn verlieren.“

Vergeblich beschwor der Verwalter seine Herrin, nicht mit dem Schicksal zu spielen. In der Nacht verlor die Rittersfrau nicht nur den Wappenring, sondern auch allen Besitz ihres Geschlechtes.

Die Burg erhielt einen neuen Besitzer, der sein eigenes Schloss auf Brinke besaß und die Burg Overkamp verfallen ließ. Die leichtsinnige Witwe des wilden Ritters von Beesten aber lebte noch viele Jahre als arme Frau in einem Kotten auf dem Hofe des Bauern Harre.

W. Fredemnnn.

Der Unglücksring von Overkamp

In Küingdorf stand einst die stolze Wasserburg Overkamp, von deren Größe heute nur noch einige Gräben und Mauerreste zeugen. Vor Jahrhunderten lebte auf dieser Burg die Witwe des Ritters von Beesten. Sie besaß einen kostbaren Siegelring, den sie ständig am Finger trug, weil er jedermann gefiel. Die alte Amme, von der sie aufgezogen worden war, hatte ihr von dem Ring mit dem Wappen ihres Geschlechtes erzählt, dass er seinem Besitzer nicht immer Glück, sondern manchmal auch Unglück gebracht habe.

Heimatverein Melle e V Der Unglücksring von Overkamp

(C) 2020-2021 Heimatverein Melle e.V.

Die Sage von der Auburg

In der Bauernschaft Peingdorf liegen zwischen der Hase- und der Aubrücke nahe der Straße von Wellingholzhausen nach Borgloh die Ruinen der Auburg. Diese lassen erahnen, welchen bedeutenden Umfang diese Wasserburg vormals gehabt hat. Die Geschichte weiß wenig von ihr zu erzählen; die Sage berichtet über sie in den lebhaftesten Farben.

Heimatverein Melle e V Die Sage von der Auburg

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Rosemanns Klause

Im Dreißigjährigen Krieg wurde der Rosemann´sche Hof in Kerßenbrock mehrfach zerstört, ausgeraubt und dem Erdboden gleich gemacht. Die Sage erzählt, wie es zu der Klause gekommen ist.

Heimatverein Melle e V 18 Rosemanns Klause

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Heimatverein Melle setzt Videoreihe „Sagen des Grönegaus“ fort

Weitere Filmaufnahmen mit Märchenerzählerin Christa Möller fanden im Speicher des Grönegau-Museums statt

MELLE (jk). Der Projektauftakt erfolgte am Samstag vor dem ersten Advent 2020: Seither hat der Heimatverein Melle e.V. insgesamt 20 „Sagen des Grönegaus“ in Form von Videofilmen dokumentieren lassen. Heute wurden im Speicher des Grönegau-Museums in Melle-Mitte acht weitere Filmbeiträge aufgenommen, die in Kürze ebenfalls auf der Homepage der Heimatfreunde unter https://heimatverein-melle.de veröffentlicht werden sollen.

Als der Heimatverein des Kreises Melle im Jahre 1955 die Grönenberger Heimathefte aus der Taufe hob, standen „Sagen des Grönegaus“ im Mittelpunkt dieser Publikation, die mehr als 50 von Dr. Maria Heilmann, Wilhelm Fredemann und Heinrich Rahe bearbeitete Überlieferungen umfasst. Da die ersten 20 Videobeiträge wie „Die Sage von der Pfaffenkammer und der Rethwwelle“, „Der Teufelsspuk an den Dreieinigkeitsbuchen“ und „Das Kreuz in der Kirche zu Melle“ in der Bevölkerung auf überaus große Resonanz gestoßen sind, beschlossen die Projektinitiatoren Heinz Garlich, Jürgen Krämer und Uwe Plaß, weitere Kurzfilme drehen zu lassen.

Um das Vorhaben realisieren zu können, setzen die drei Vorstandsmitglieder weiterhin auf ein eingespieltes Team: Zum einen auf die Märchenerzählerin Christa Möller aus Altenmelle, die in der Vergangenheit bereits mehrfach für den Heimatverein tätig war; zum anderen auf die Video-Filmerin Nina Schengber aus Melle-Mitte. Im Mittelpunkt der jüngsten Aufnahmen, die heute abermals in historischem Ambiente stattfanden, standen unter anderem die Überlieferungen „Die Sage von der Auburg“, „Der Unglücksring“, „Der tolle Herr“, „Die Sage von der Hasegabelung“ und „Die Sage von der Martmühle“.

Am nächsten Drehtag – vermutlich am Wochenende nach dem Pfingstfest – sollen weitere Sagen wie „Wittekind an der Warmenau“, Wittekinds Rast“, „Das Rüenstück“, „Die Sage von der Wulfterheide in Kerßenbrock“, „Die Engeleiche“ und „Der Schmuggler“ aufgenommen werden. „Wir gehen davon aus, dass auch diese Beiträge von vielen Menschen auf der Internetseite unseres Heimatvereins angeklickt werden“, vermuten Heinz Garlich, Jürgen Krämer und Uwe Plaß. Die drei Vorstandsmitglieder freuen sich, dass das Videoprojekt bislang ein lebhaftes Interesse in der Öffentlichkeit gefunden hat. „Wir wecken damit das Interesse vieler Menschen.“

Übrigens: Wer die „Sagen des Grönegaus“ nachlesen möchte, hat dazu ebenfalls Gelegenheit. So ist das Heft 1 der Grönenberger Heimathefte in einem Nachdruck aus dem Jahre 1987 im Fachgeschäft Sutmöller „Bücher & mehr“ an der Plettenberger Straße 1 – 3 und im Stadtarchiv am Wallgarten 1 in Melle-Mitte erhältlich.

Video-Dreh im Speicher des Grönegau-Museums mit Erzählerin Christa Möller (links) und Filmerin Nina Schengber (rechts). Foto: Jürgen Krämer

Das Gnadenbild in Döhren bei Riemsloh

Südöstlich von Riemsloh liegt an der Warmenau das Grenzdorf Wallenbrück. Es war vor der Reformation ein berühmter Wallfahrtsort. Die Gläubigen aus dem Ravensberger, dem Osnabrücker und dem Paderborner Lande pilgerten damals in Scharen zum „Gnadenbilde der schmerzhaften Mutter an der Brücke. Wie nun das „Gnadenbild“ von Wallenbrück nach Döhren bei Riemsloh kam, schildert die Erzählung der Sage in diesem Video.

Heimatverein Melle e V - Das Gnadenbild in Doehren bei Riemsloh

(C) 2020-2021 Heimatverein Melle e.V.

Der fünfte Sonderband des Meller Jahrbuchs ist gedruckt

Publikation mit historischen Beiträgen von Uwe Plaß aus der „Meller Zeitlupe“ des „Meller Kreisblattes“ soll kurz vor dem Pfingstfest erscheinen 

Kurz vor dem Pfingstfest soll er erscheinen – der fünfte Sonderband des Meller Jahrbuchs „Der Grönegau“, den Hon.-Prof. Dr. Fritz-Gerd Mittelstädt in Zusammenarbeit mit der Stadt Melle und dem Heimatverein Melle herausgibt. Die 200 Seiten starke Publikation umfasst rund 50 historische Beiträge, die der Historiker und Vorsitzende des Heimatvereins Melle, Uwe Plaß, in den vergangenen Jahren für die „Meller Zeitlupe“ des „Meller Kreisblattes“ geschrieben hat.

Im Druckhaus Steinbacher in Osnabrück nahmen heute Mittag neben dem Autor Uwe Plaß auch Herausgeber Fritz-Gerd Mittelstädt und Stadtsprecher Jürgen Krämer, der zudem stellvertretender Vorsitzender des Heimatvereins Melle ist, am Andruck des Buches teil, das in einer Auflage von 400 Exemplaren erscheinen soll. Die weiteren Planungen sehen vor, die mit rund 120 Fotos illustrierte Publikation in den nächsten Tagen in einem Fachbetrieb in Coesfeld binden zu lassen, so dass dem geplanten Erscheinungstermin nichts mehr im Wege stehen dürfte.

 Das neue Buch ist übrigens die zweite Schrift, in deren Mittelpunkt Abhandlungen aus der „Meller Zeitlupe“ stehen. Als im Spätsommer 2019 der erste Sonderband des Meller Jahrbuchs „Der Grönegau“ mit historischen Beiträgen erschien, die Uwe Plaß seit dem Jahre 2016 im zweiwöchigen Rhythmus für die Rubrik „Meller Zeitlupe“ des „Meller Kreisblattes“ verfasste hatte, ahnte noch niemand, dass diese Publikation in der Bevölkerung einen sehr großen Zuspruch erfahren sollte. Von dieser positiven Resonanz ermutigt, trafen Herausgeber, Stadt und Heimatverein zu Beginn dieses Jahres die Entscheidung, einen weiteren Sonderband des Jahrbuches mit entsprechenden Texten herauszubringen.

 So wie das „Meller Kreisblatt“ seinen Lesern Tag für Tag Aktuelles und Neues aus der Region und aus der weiten Welt vermittelt, kann zu diesem Neuen auch Vergangenes gehören, wie es Uwe Plaß mit seinen Abhandlungen in der „Meller Zeitlupe“ eindrucksvoll unter Beweis stellt. Der Autor recherchiert im Archiv der Tageszeitung und tut dabei Neues aus der Vergangenheit auf, um es anschließend in zeitgemäßer Sprache der Leserschaft zu vermitteln. In Kürze wird eine Auswahl dieser Aufsätze in der neuen Publikation nachzulesen sein – im fünften Sonderband des Meller Jahrbuchs „Der Grönegau“.

 Nach dem Drucktermin soll das neue Buch in Kürze in einem Fachbetrieb in Coesfeld gebunden werden, um danach kurz vor dem Pfingstfest in den Handel zu gelangen.


Freuen sich während des Drucktermins in Osnabrück über das gute Ergebnis: (von links) Michael Steinbacher, Uwe Plaß, Fritz-Gerd Mittelstädt und Jürgen Krämer. Foto: Thomas Asbrock
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